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Zeit etwas zu verändern

Die Durchschnittstemperaturen in Deutschland, dargestellt als farbige Streifen, zum Stand 2019
Es wird wärmer bei uns – Die Durchschnittstemperaturen in Deutschland –

Es wird wärmer und wärmer! Mittlerweile ist auch bei uns angekommen, dass sich etwas ändern muss. Wie können uns nicht mehr rausreden. Es braucht einen Wandel im Verhalten, Denken und Wirtschaften – bei jedem Einzelnen von uns. Das fällt schwer, wenn gleichzeitig das Konsumieren immer leichter wird. Dieser Blog soll etwas dazu beitragen, Denkanstöße zu geben, um bei einem selbst anfangen zu können.

Wer schreibt hier und warum?

Mein Name ist Jakob und ich beschäftige mich seit mehr als 10 Jahren mit dem Thema Erneuerbare Energien und dem nachhaltigen Umgang mit unseren Ressourcen. Beruflich bin ich im Bereich der Windenergie zu Hause. Für mich ist das Technik zum anfassen, da dreht sich was und unten kommt Strom raus. Solartechnik ist auch spannend, doch wie so eine Solarzelle funktioniert lässt sich viel schwerer erklären. Aber auch wenn Strom aus erneuerbaren Quellen nur ein Baustein von den grundlegenden Veränderungen ist, die nötig sein werden um das Klima auf unserer Erde wieder zu stabilisieren, kenne ich aus meiner täglichen Arbeit auch die vielen Fragen und Bedenken, die diesem Thema entgegenschlagen. Ein Phänomen ist der Nimby (Not in my backyard). Der Nimby ist weit verbreitet und findet sich überall dort, wo irgendwas verändert werden soll. Ob es nun eine Straße, eine Flüchtlingsunterkunft oder eben ein Windrad sein soll – Im Grunde hat der Nimby nichts gegen Veränderungen – solange sie nicht in seiner Nähe stattfinden. Doch die Veränderungen des Klimawandels werden uns alle betreffen und auch in unserer direkten Umgebung spürbar sein. 

Es braucht viele kleine Veränderungen und ich sehe sie gern als kleine Projekte. Der Klimawandel und was damit alles zusammenhängt ist die Aufgabe unserer Zeit und schaffen wir es nicht, diese vernünftig zu lösen, werden es kommende Generationen viel schwerer haben. Davor kann man leicht kapitulieren, weil man selbst ja doch nichts bewirken kann. Aber zerlegt man jedes Projekt in kleine Abschnitte, lassen sich auch so gigantische Aufgaben wie der Klimawandel, angehen und am Ende lösen. 

Der Eco-Score von Lidl

Der Discounter Lidl testet aktuell in den Berliner Filialen eine neue Kennzeichnung, den Eco-Score, der zeigen soll, wie nachhaltig ein Produkt ist. Das ist erstmal eine gute Idee und ein wünschenswerter Ansatz, um den Verbrauchern die Wahl zu erleichtern.

Die Skala des ECO-Score, fotografiert in einer Berliner Filiale im Juli 2021

Bisher ist die Produktpalette, auf denen der Eco-Score zu finden ist noch sehr überschaubar. Momentan gibt es die Kennzeichnung nur für Tee, Kaffee und Milchprodukte und dort ist sie auch so dezent untergebracht, dass man genau hinschauen muss um die zu entdecken. Das Label findet sich nur auf den Preisschildern, nicht aber auf den Verpackungen selbst. Gemessen an der vielen Werbung, die es in Berlin gibt, ist in den Filialen nur wenig zu entdecken. Doch die Idee zählt und vielleicht etabliert sich hier ein neues Öko-Label was bald auch in anderen Geschäften zu sehen sein wird. Immerhin soll die EU-Kommission bis 2024 einen Gesetzesvorschlag vorlegen, wie eine Nachhaltigkeitskennzeichnung für Lebensmittel aussehen kann.

Das Potenzial, dass der Eco-Score sich bis dahin als ein möglicher Standard verbreitet, ist gegeben, den hinter dem Label steht nicht Lidl selbst, sondern ein Konsortium aus Frankreich, was ihn entwickelt hat. Das Label arbeitet mit einer fünfstufigen Skala, von (gutem) grünen A bis hin zu einem (schlechten) roten E. Bewertet werden die Umwelteigenschaften des Produktes und die Einordnung basiert auf dem PEF (Product Enviromental Footprint), den die EU-Kommission entwickelt hat.

Bestimmung des Eco-Score (Quelle: docs.score-environnemental.com)

Für die Berechnung des Eco-Score werden verschiedene Studien und Auswertungen herangezogen. Außerdem unterstützen Experten:innen vom WWF, Veolia und anderen hier weniger bekannten Unternehmen die Methodik. Neben öffentlichen Daten zur Ökobilanz von Produkten aus der Agribalyse-Datenbank, welche seit 2013 Referenzdaten zu den Umweltauswirkungen von Agrar- und Lebensmittelprodukten bereitstellt, werden auch Auswirkungen auf die Umwelt durch Produktion, Transport, Herstellung und Verpackung berücksichtigt. Zusätzlich fließen die Angaben auf dem Produktetikett sowie zusätzliche Qualitätskriterien, wie die Wiederverwertbarkeit der Verpackungen, Etiketten (Bio, Qualität etc.), die Herkunft der Zutaten und Saisonalität der verwendeten Lebensmittel in die Bewertung mit ein. Die Gesamtnote von 100 ergibt eine Punktzahl von A bis E.

Natürlich gibt es noch kein einheitliches Label in den Supermärkten, jeder kennzeichnet die aus seiner Sicht umweltfreundlichsten Produkte anders. Edeka verwendet einen Panda als Label, in Zusammenarbeit mit dem WWF. Rewe hat das „Pro Planet“-Nachhaltigkeitslabel, was Produkte kennzeichnet, die die sozial und ökologisch nachhaltig produziert werden. Andere versuchen ihre Kund:innen mit Hinweisen zu den besten Produkten zu lotsen. Wie bei anderen Labeln auch wird dieses Durcheinander solange bleiben, bis entweder die Regulierung einen Mindeststandard setzt oder sich ein Label durchsetzt. Von der Methodik ist der Eco-Score schon mal gut dabei.

Was ist der Ökologische Fußabdruck

Wieviel Einfluss hat der eigene Lebensstil auf die Veränderungen des Klimas? Natürlich müssen auch die großen Sachen angepackt werden – Energiewende, Sektorkopplung, Treibhausgasausstoß, Plastikmüll und so weiter. Doch auch kleinen Veränderungen bei jedem von uns machen in der Summe viel aus. Der ökologische Fußabdruck kann eine Orientierung geben und zu wirkungsvollen Veränderungen motivieren.

Photo by Piotr Musioł on Unsplash

Wir verbrauchen mehr Ressourcen, als uns die Erde zur Verfügung stellt. Symbolisch wird dies durch den Erdüberlastungstag dargestellt. Der weltweite Erdüberlastungstag ist üblicherweise erst im späten Sommer, doch auf die einzelnen Länder bezogen, ist er oft viel früher. In diesem Jahr hat Deutschland schon am 5. Mai die nachwachsenden Ressourcen verbraucht, die dem Land rechnerisch für das gesamte Jahr zur Verfügung stehen. Für die Berechnung des Erdüberlastungstags werden zwei Größen gegenüber gestellt: die biologische Kapazität der Erde zum Aufbau von Ressourcen sowie zur Aufnahme von Müll und Emissionen und der Bedarf an Wäldern, Flächen, Wasser, Ackerland und Fischgründen, den die Menschen derzeit für ihre Lebens- und Wirtschaftsweise verbrauchen.

Das der Tag, an dem diese Ressourcen für das Jahr verbraucht sind, immer früher kommt, müsste eigentlich ein Alarmsignal für uns alle sein. Denn es bedeutet, dass wir einen immer größeren Teil des Jahres auf Pump leben und schon heute die Ressourcen der Generationen von morgen verbrauchen. Es bedeutet aber auch, dass Veränderungen, die erst später passieren, dann viel einschneidender sein müssen, als wenn man schon jetzt was macht. Noch besser wäre, wir hätten schon vor Jahrzehnten damit angefangen.

Um den Verbrauch von Ressourcen auf der persönlichen Ebene darzustellen, gibt es das Modell des Ökologischen Fußabdrucks. Denn niemand macht sich die Mühe die ganzen Studien zu diesem Thema durchzuarbeiten um anschließend Rückschlüsse auf das eigene Leben zu ziehen. Es gibt verschiedene Rechner im Internet, wo jeder anhand von Fragen seinen ökologischen Fußabdruck berechnen und leicht ausprobieren kann, welche Veränderungen den größten Einfluss hätten.

Die Maßeinheit für den ökologischen Fußabdruck ist die Biokapazität, welche als “globale Hektar” [gha] dargestellt wird. Weil die Fruchtbarkeit von Böden auf der Erde nicht gleich verteilt ist und Berge oder Wüsten naturgemäß weniger fruchtbar sind als Wiesen oder bewirtschaftete Äcker, würde der normale Hektar, grob die Fläche eines Fußballplatzes, nicht reichen und eine eine falsche Wahrnehmung vermitteln. Um den ökologischen Fußabdruck von unterschiedlichen Ländern oder diversen anderen Gebieten miteinander vergleichen zu können, werden die Werte in „Globalen Hektar“ pro Person und Jahr angegeben. Der Globale Hektar entspricht einem Hektar mit weltweit durchschnittlicher biologischer Produktivität.

Auf der einen Seite der Gleichung stehen die Flächen, die unser Planet Erde hat, also Wälder, Felder, Seen, Meere, Wüsten, Weiden, Steppen, Straßen und Städte. Dabei wird auch die unterschiedliche „biologische Produktivität“ der Erdoberfläche berücksichtigt. Das Ergebnis entspricht der Biokapazität der Erde.
Auf der anderen Seite der Gleichung steht die Biokapazität des Menschens, also die Energiegewinnung, der Verbrauch für Bauland und Viehzucht. Jedes Wirtschaften beansprucht Fläche. Auch Abfälle und Abgase muss die Umwelt verarbeiten. Mit dem Ökologischen Fußabdruck kann man Angebot und Nachfrage vergleichen. Wie viel Natur haben wir? Wie viel brauchen wir? Und wer nutzt wie viel?

Toll wäre, wenn die Menschheit weniger verbrauchen würde, als der Planet zur Verfügung stellt. Doch die Realität sieht anders aus. Die pro Erdenbürger verfügbare Biokapazität beträgt derzeit 1,6 gha. Dabei ist die Biokapazität noch nicht berücksichtigt, die benötigt wird, um die Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt zu erhalten. Der sinnvoll zu nutzende Fußabdruck liegt also eigentlich deutlich unter 1,6 gha. Der ökologische Fußabdruck beträgt im Weltdurchschnitt aber 2,7 gha. Wir nutzen so viel Natur als hätten wir 1,7 Planeten Erde. Die Folgen des überhöhten Verbrauchs können wir schon heute feststellen, beispielsweise wenn Fischbestände in den Meeren immer kleiner oder die Böden durch eine intensive Ackerwirtschaft immer schlechter werden. Während die Nachfrage nach Ressourcen steigt, nimmt das Angebot ab. Auch weil wir es der Erde durch unsere Hinterlassenschaften immer schwerer machen, sich zu regenerieren.

Jeder Mensch hinterlässt eine unterschiedlich große Fußspur. Und es gibt deutliche Unterschiede zwischen den Ländern. In Deutschland ist der durchschnittliche Naturverbrauch pro Kopf 4,8 gha. In Bangladesch sind es nur 0,8 gha, in Äthiopien 1,0 gha und in Nicaragua 1,8 gha.

Alle Rechner funktionieren ähnlich und fragen die vier Hauptbereiche des täglichen Lebens ab. Der Wert ist ein umfassender und gut vergleichbarer Maßstab, um Umweltwirkung des eigenen Verhaltens oder zum Beispiel auch des Handelns eines Unternehmens besser einschätzen und verbessern zu können. Eigentlich müsste noch ein fünfter Bereich berücksichtigt werden, nämlich die Art von Industrien und Geschäftszweigen, die wir mit unseren Investments unterstützen. Doch dieser Bereich ist so schwer zu durchschauen, dass er nirgends berücksichtigt wird.

Die vier Bereiche sind

  1. Wohnen (z.B. Wohnfläche, Heizung sowie Strom)
  2. Ernährung (z.B. Fleisch- und Wurstverzehr, Fischverzehr, Tierische Produkte, Bio Lebensmittel, Regional und saisonal sowie Lebensmittelverschwendung)
  3. Mobilität (z.B. Bus und Bahn, Auto sowie Flugzeug)
  4. Konsum (z.B. Fuhrpark, Einrichtung, Freizeit, Kleidung, Konsumgüter, Haustiere sowie Müll)

Ich habe meinen ökologischen Fußabdruck mit dem Rechner von „Brot für die Welt“ ermittelt und mein Wert ist für Deutschland gar nicht so schlecht, aber insgesamt natürlich noch viel zu hoch.

Ich war etwas erschrocken, denn ich hätte meinen Wert geringer eingeschätzt. Aber auch wenn ich unser Auto kaum benutze, steht es doch da. Meine Wohnung ist klein, das gibt Pluspunkte für die Berechnung, aber weil ich auch Fleisch esse, ist der Teil für die Ernährung der ausschlaggebendste. Hier könnte ich vermutlich am leichtesten viel bewirken, auch wenn die Umstellung vielleicht am schwersten ist.

Die Flut der Einwegbecher

Es ist eine Verschwendung: Produziert irgendwo, wird der Becher zu uns gebracht, mit etwas heißer Flüssigkeit befüllt, von uns ein paar Schritte getragen und dann in den nächsten Mülleimer gesteckt oder irgendwo in die Umwelt geworfen. Durch Corona und die Angst vor Keimen ist die Lage noch mal schlechter geworden und es hat den Eindruck, als ob frühere Fortschritte wieder zunichte gemacht wurden.

Die Grafik zeigt ausgewählte Daten zum Verbrauch von Einwegbechern in Deutschland.

Die Zahlen sind schockierend hoch. Stündlich sollen es 320.000 Einwegbecher sein, die in Deutschland verbraucht werden. Die Zahlen lassen sich schlecht selbst prüfen, doch wer in der Stadt lebt und täglich die überquellende Mülleimer sehen kann, dem fallen auch die vielen Einwegbecher auf. Zwar verzichten viele mittlerweile auf den Plastikdeckel, doch da die meisten Becher innen mit einer dünnen Kunststoffschicht überzogen sind, ist das nur ein schwacher Trost. Allein in Berlin sollen es 460.000 Kaffee-Einwegbecher täglich sein, die ihren Weg in einen Abfalleimer finden. Täglich!

Daran wird auch die Ankündigung der Bundesregierung, dass ab dem 3. Juli 2021 der Verkauf verschiedenen Einwegprodukten aus Plastik oder Styropor, wie Besteck oder Geschirr, Trinkhalme, Rührstäbchen sowie Wattestäbchen und Luftballonstäbe, verboten wird, nur wenig ändern. Denn die Kaffeebecher aus Pappe, mit oder ohne Kunststoffüberzug, wird es auch weiter geben.

Ein Haufen Einwegbecher in New York, wo noch mehr aus Wegwerfprodukten konsumiert wird als hier.
Photo by Jasmin Sessler on Unsplash

Tückisch sind besonders die Becher für Heißgetränke, die zwar wie ein Pappbecher aussehen, innen aber mit Kunststoff beschichtet sind. Eigentlich müssten diese Becher in der gelben Tonne landen, damit sie zumindest teilweise recycelt werden, doch stattdessen landen die meisten in einem Abfalleimer und werden dann verbrannt. Schade um die Rohstoffe und die Energie, die nötig war um den Becher für diese kurze Nutzungsdauer herzustellen. Denn für die 2,8 Milliarden Pappbecher, die jährlich in Deutschland verbraucht werden, müssen in der Produktion Fasern von 43.000 Bäumen, etwa 3.000 Tonnen Rohöl und 1,5 Milliarden Liter Wasser verwendet werden. Am Ende entstehen daraus 40.000 Tonnen Abfall pro Jahr.

Wer daran etwas ändern möchte, kann leicht bei sich selbst anfangen. Es ist zwar etwas unbequem, aber wer einen Mehrwegbecher mitnimmt, kann sein Getränk auch gut aus dem eigenen Becher trinken. Den kann man später abwaschen und dann wieder benutzen. So ein Becher steht in vermutlich jedem Haushalt, notfalls würde auch ein Schraubglas funktionieren. Aber die meisten werden sicher einen geeigneten Mehrwegbecher haben, werden diese doch gern als Werbegeschenk verteilt oder in einer Sammeledition verkauft.

Das Bundesumweltministerium schreibt auf seiner Seite, dass ein Mehrwegbecher mehr als zehnmal, besser mehr als 25-mal genutzt werden sollte, um die ökologischen Vorteile auszuspielen. Viele Becher sind aus Kunststoff, manche aus Holz (mit Kunststoff in Form gebracht), andere aus Metall (mit Wärmeisolierung) und seltener gibt es auch welche aus Glas oder Keramik. Es ist in jedem Fall leicht nachzuvollziehen, dass die Herstellung des Mehrwegbechers mehr Energie gekostet hat, als die des Einwegproduktes. Doch werden die Becher dann mehrfach genutzt, kann jeder leicht etwas Gutes tun. Das einzige womit man leben muss, ist den Becher dann wieder abzuspülen und einzupacken, damit er beim nächsten Mal griffbereit ist.

Was bei all dem aber nicht vergessen werden soll, eine gute Möglichkeit ist auch, den Kaffee einfach direkt vor Ort zu trinken. In einer richtigen Tasse, vielleicht mit ein paar Sonnenstrahlen und etwas Gebäck, entsteht so ein toller Moment der Achtsamkeit. Oft wirkt so eine kleine Auszeit viel besser, als das Getränk im Alltagsstress im Laufen hinunterzukippen.

Wasserstoff – Das Wundergas

Es ist in aller Munde, Wasserstoff, das Gas was unsere Probleme lösen wird. Ein Wundergas, einfach hergestellt, soll es als „Brückentechnologie“ dabei helfen, den Weg in eine klimafreundliche Zukunft zu gehen, ohne dass wir uns dabei einschränken müssen. Doch kann das so klappen?

Bild von akitada31 auf Pixabay 

Worum geht es eigentlich?

Weil Strom sich schlecht in Form von Akkus speichern lässt, gibt es schon lange Diskussionen, dass eine Versorgung mit 100% Erneuerbaren Energien nicht funktionieren kann. Weil Energieformen wie Solar- oder Windenergie den natürlichen Schwankungen unterworfen sind und es nicht genügend Wasserkraftwerke gibt, ist es komplizierter eine gewisse Grundlast zur Verfügung zu stellen. Es gibt zwar Tage im Jahr, wo soviel Strom aus erneuerbarer Energie vorhanden ist, dass ganz Deutschland damit versorgt werden kann, aber es gibt auch Tage, an denen kaum etwas eingespeist wird. Deshalb gibt es viele Verfechter der klassischen Kraftwerke, wo einfach dauerhaft etwas verbrannt wird, um so jederzeit eine Grundlast decken zu können.

Stromerzeugung und Stromverbrauch, 16. bis 24 Mai 2021 – Grafik von Agora Energiewende

In dieser Grafik ist der Stromverbrauch in Deutschland in einer Woche (pinke Linie) und die Art der Stromproduktion in verschiedenen Farben erkennbar. Der Stromverbrauch verläuft in Wellen, in Form eines Lastprofils. Nachts ist der Verbrauch niedrig, er nimmt dann zu, wenn die Menschen aufstehen, ins Büro gehen, konsumieren und fällt zur Nacht hin wieder ab. Die Aufgabe der Energieversorger und Netzbetreiber ist es, das Angebot der Stromproduktion mit dem Verbrauch zusammenzubringen. Dafür werden Kraftwerke entsprechend geregelt, um mal mehr oder weniger zu produzieren. In der Grafik ist gut zu erkennen, wie die Kraftwerke mit den konventionellen Energien, wie Kohle (braun und schwarz), Erdgas (hellgrau) und Kernenergie (hellbraun), das tägliche Lastprofil abdecken.
Die Erneuerbaren Energien sind mit dazwischen und haben mittlerweile einen großen Anteil am Strommix. Doch sie sind nicht immer gleich verfügbar. Es gibt einen Teil, der sehr verlässlich Strom produziert, Biomasse und Wasserkraft, die als grüner und blauer Balken jeden Tag einen ähnlichen Betrag liefern. Aber Solarenergie (gelb) und Windenergie (dunkelblau) sind unbeständiger und schwanken stärker. Solarenergie ist noch recht gut zu kalkulieren, weil die Sonne nur die Hälfte des Tages scheint. Doch bei Windenergie ist es schwieriger, hier zu sehen am Beispiel des Wochenendes, wo durch Starkwind auch deutlich mehr produziert wurde, als tatsächlich gebraucht wurde.

Leider lässt sich Strom nicht gut speichern. Die chemisches Speicherung, in Batterien, funktioniert zwar im kleinen Maßstab gut, aber nicht in einer Größenordnung, dass sich damit Deutschlands Strombedarf für einige Tage decken ließe. Die physikalische Speicherung, in Pumpspeicherkraftwerken (bei zu viel Strom wird Wasser auf einen Berg gepumpt, bei zu wenig Strom fließt es durch eine Turbine wieder herunter), funktioniert auch gut, doch gibt es in Deutschland nicht genügend Standorte um alle Lastspitzen auszugleichen. Für den kurzfristigen Ausgleich wird beides schon seit langem eingesetzt (Regelenergie), doch eben nur als Reserve, um kurze Ausfälle abfedern zu können.

Mit dem Verzicht auf Kernenergie, dem Aus der Kohle und irgendwann auch dem Rückgang von Gas im Energiemarkt, wird der schwankende Teil der Erneuerbaren Energien zunehmen. Durch die regionale Verteilung der Anlagen gibt es an schlechten Sonnentagen oft mehr Wind und umgekehrt. Doch weil es nicht absehbar ist, dass wir als Verbraucher deutlich weniger Energie verbrauchen oder unseren Verbrauch die Produktion anpassen können, wird dieses Problem weiter bestehen bleiben. Es gibt schon seit einigen Jahren Überlegungen, die Speicherkapazitäten auszubauen. Für Pumpspeicherkraftwerke braucht es Höhenunterschiede, aber nicht unbedingt einen Berg. Sowas würde auch unterirdisch, in alten Bergwerken funktionieren. Auch die stärkere Verbindung der europäischen Strommärkte sorgt für einen besseren Ausgleich, wenn Überkapazitäten in Pumpspeicherkraftwerken in Norwegen zwischengespeichert werden. Doch es wird noch mehr brauchen und eine gute Möglichkeit wäre die Speicherung in Form von Wasserstoff. Das Gas ist sauber und für die Umwelt ungefährlich. Es kann leicht hergestellt werden und lässt sich mittlerweile auch gut transportieren.

Herstellung von Wasserstoff

Viele hatten es sicher im Physikunterricht: Wird Gleichstrom über zwei Drähte oder Elektroden in Wasser geleitet, fängt es an zu blubbern. Auf der einen Seite steigt dann Sauerstoff (O2) empor und auf der anderen Seite Wasserstoff (H2). Letzterer wurde dann im Experiment oft entzündet, was schön knallt (Knallgas) und so gut in Erinnerung bleibt.

Darstellung der Wasserstoffelektrolyse – Grafik von Nevit Dilmen

Wasserstoff ist das leichteste Gas und wurde deshalb auch in Zeppelinen verwendet. Es ist hochentzündlich und bei der Verbrennung entstehen keine giftigen Gase sondern nur Wasser. Damit eignet es sich gut als Energiespeicher, denn es kann in Tanks oder unterirdischen Kavernen, die es praktischerweise schon für unseren Erdgasbedarf gibt, lange Zeit aufbewahrt werden. Über Pipelines kann es auch transportiert werden, als reines Gas oder bis zu einem gewissen Grad als Beimischung zu Erdgas. Über eine Brennstoffzelle kann wieder Strom produziert werden oder es treibt eine Maschine an, wenn es verbrannt wird.

Es könnte so schön sein!

Damit Deutschland seine Klimaziele erreichen kann, braucht es mehr als Strom aus erneuerbaren Energien. Hinzu kommen aber noch neue Verbraucher, beispielsweise immer mehr Elektrofahrzeuge, aber auch andere Bereiche unseres Lebens. Wärme für Gebäude muss mittelfristig anders als durch Verbrennung von Kohle oder Erdgas erfolgen. Züge können nicht weiter mit Diesel fahren und Flugzeuge müssten nachhaltig produziertes Kerosin tanken oder gleich elektrisch fliegen. Einen riesigen Energiebedarf hat auch die Industrie. Diese auf elektrische Energie umzustellen würde den Strombedarf vervielfachen.

Wasserstoff bietet sich hier an, weil er mit „grünem Strom“ ohne schlechtes Gewissen hergestellt werden kann und es uns ermöglicht, ohne größere Umstellungen so weiter zu leben wie bisher. Das reine Gas kann mittels Brennstoffzelle wieder in Strom umgewandelt zu werden, in einem LKW, wo kein Platz für Akkus ist oder einem Zug. Oder der Wasserstoff wird weiterverarbeitet, zu Methan und zu Treibstoffen wie Benzin oder Diesel. Wie schön wäre es doch, wenn es so funktionieren würde. Weil es so viele Möglichkeiten gibt, die zumindest im Labor oder im kleinen Maßstab gut funktionieren, ist der Wasserstoff zum Trendthema und zu unserem Problemlöser geworden.

Doch ist es wirklich so einfach? Das größte Thema ist, dass es natürlich Verluste beim Prozess der Umwandlung (Wasserelektrolyse) gibt. Der Wirkungsgrad liegt bei gut 60 Prozent, somit geht etwa ein Drittel schon bei diesem ersten Schritt verloren. Die Verdichtung von Wasserstoff, um diesen zu lagern oder mittels Pipelines zu übertragen, kostet weitere Energie. Wird anschließend wieder Strom mittels einer Brennstoffzelle erzeugt, geht erneut etwa ein Drittel verloren. Soll der Wasserstoff verbrannt werden, ist der Heizwert deutlich schlechter als bei anderen Energieträgern. Grundsätzlich ist Wasserstoff also eine Möglichkeit, Strom zu speichern und auf andere Art nutzbar zu machen. Doch lassen die Verluste die Rechnung schnell schlecht aussehen.

Ein weiteres Thema ist die Art von Strom, die für die Herstellung verwendet wird. „Grüner Wasserstoff“ wird mit Strom aus erneuerbaren Energien hergestellt. In der Diskussion gibt es noch anderen „Farben„, obwohl das eigentliche Gas natürlich farblos ist. „Blauer Wasserstoff“ wird beispielsweise aus Erdgas hergestellt, aber es können auch Kohle oder Kernenergie genutzt werden. Für die allgemeine Betrachtung macht es einen Unterschied, welche Art von Energie für die Herstellung verwendet wurde. Es macht keinen Sinn, auf der einen Seite auf fossile Energien zu verzichten um an anderer Stelle sie zu verwenden, um Wasserstoff herzustellen. Letztlich kann nur „Grüner Wasserstoff“ eine Wende bringen.

In der allgemeinen Wahrnehmung erfährt der Wasserstoff gerade eine massive Aufwertung. Wurden aktuelle Pipeline-Projekte schon damit begründet, dass Erdgas mittelfristig Kohle und Kernenergie ablösen soll, weil bei der Verbrennung weniger Schadstoffe entstehen, gibt es nun auch Argumente, dass durch diese Pipelines in Zukunft auch Wasserstoff fließen könnte. Weil bei uns der Ausbau der erneuerbaren Energien stockt und nicht genügend Energie vorhanden ist, um an der Mehrzahl der Tage im Jahr die Grundversorgung zu stellen, soll erstmal Erdgas und später Wasserstoff die Lücke füllen. In der Zwischenzeit könnte Wasserstoff dem Erdgas beigemischt werden und es so etwas „grüner“ machen, was aber je nach Land nur zu einem geringen Prozentsatz erlaubt ist. In Deutschland darf maximal 10% Wasserstoff dem Erdgas beigemischt werden, weil sonst die Verbrenner bei den Verbrauchern nicht mehr funktionieren. In anderen Ländern ist die Quote deutlich geringer. So sorgt Wasserstoff dafür, dass Erdgas viel grüner wahrgenommen wird und könnte Kraftwerksbetreibern helfen, ihre Anlagen länger am Netz zu halten, wenn diese dann das Wundergas produzieren.

Wieviel nützt die Umstellung auf Wasserstoff als Energieträger, wenn dafür andernorts alte und deshalb billige Kohle- und Atomkraftwerke laufen? Zwar gibt es erste Projekte, wo Solarparks statt den Strom einzuspeisen vor Ort Wasserstoff produzieren, doch wird es noch eine Weile dauern, bis sich so eine Versorgungssicherheit einstellt. So wie es jetzt aussieht, wird Deutschland seinen Bedarf nicht durch Wasserstoff aus eigener Produktion decken können und weiter auf neue Importe angewiesen sein. Ob das Wundergas dann in Zukunft aus Russland und Co. kommt, wo jetzt schon die nötigen Pipelines vorhanden sind, oder es aus Afrika importiert wird, wo vielleicht dann Solarstrom im Überfluss vorhanden ist, es wird neue Abhängigkeiten geben.

Meine Hoffnung ist, dass Deutschland es schafft, erneuerbare Energien so stark auszubauen, dass auch an schlechten Tagen eine vollständige Versorgung mit Strom sichergestellt ist. Das bedeutet natürlich, dass an vielen anderen Tagen, dann viel zu viel Strom vorhanden ist. Dieser könnte in Wasserstoff und andere Folgeprodukte umgewandelt werden. Weil es Strom im Überfluss gibt und dieser an den meisten Tagen unglaublich billig ist, kann auch der Wasserstoff günstig produziert werden. Deutschland würde vielleicht sogar Wasserstoff exportieren können. Zwar würden erneuerbaren Energien das Land prägen, jedes Haus müsste eine Solaranlage haben um den Eigenbedarf zu reduzieren. Große Solarparks und Windanlagen unterschiedlichen Typs würden die Landschaft verändern. Doch in meiner Fantasie gäbe es ein Einverständnis, weil so eine sichere und günstige Energieversorgung für alle möglich wäre. Durch deutlich weniger Emissionen würde sich nicht nur lokal und regional das Klima verbessern. Und als Nebeneffekt könnte Deutschland sich auch politisch in der Welt besser positionieren, weil es weniger Abhängigkeiten von Energieimporten und gleichzeitig einen riesigen Wissenstransfer gäbe.

Doch so sehr wir um jedes neue Windrad kämpfen, wird meine Fantasie wohl eine solche bleiben.

Unterstützung durch Mikrokredite

Bringen Spendenmitgliedschaften mehr als ein Wohlempfinden bei uns? 5 Euro für den Regenwald, den Tiger oder Menschen irgendwo in der Welt? Schafft das tatsächliche Veränderungen oder nur neue Abhängigkeiten? Eine Alternative können Mikrokredite sein.

Photo by Erick Kiarie on Unsplash

Vor mehr als 10 Jahren habe ich einen Artikel in der ZEIT gelesen, der auf der Webseite immer noch abrufbar ist (Bezahlschranke). In diesem Artikel wurde der Frage nachgegangen, was Mikrokredite bringen und verändern können. Der Autor ist mehrere Male seinem Geld nachgereist, um zu sehen, was es regional bewirkt hat. Kurz nach dem Lesen des Artikels habe ich mich selbst bei der im Artikel genannten Plattform Kiva angemeldet und mich in den letzten 10 Jahren an fast 180 Projekten beteiligt. Dieser Beitrag soll sich um meine Erfahrungen und Gedanken zum Thema Mikrokredite drehen. Meiner Ansicht nach, ist es eine befriedigende Art Geld zu spenden und damit auch Gutes zu tun.

Im Vergleich zu vielen anderen Menschen auf der Welt geht es uns in Europa sehr gut. Keine bis wenig bewaffnete Konflikte, keine Vertreibung, recht faire Staaten, die sich um uns kümmern, wenn es uns mal schlecht geht. Niemand wird sich selbst überlassen, es gibt Hilfe, wenn man sie braucht. Auch viele Folgen des Klimawandels werden recht gut an uns vorübergehen. Wir leben auf der Sonnenseite des Lebens und wenn wir mal im Fernsehen mit schlimmen Bildern von anderen Orten der Erde konfrontiert werden, dann finden wir auch leicht Ablenkung. Nur rund um die Feiertage werden wir dann doch stärker mit dem Elend der Welt konfrontiert, wenn die vielen Spendenaufrufe in den Werbepausen kommen oder wir beim Einkaufen von jungen Leuten mit Klemmbrettern auf eine Spendenmitgliedschaft angesprochen werden. Mit ein paar Daten und 5 Euro im Monat lässt sich schnell ein gutes Gefühl kaufen. Ist das Gewissen erst so beruhigt, lässt sich das Elend in der Welt viel leichter verdrängen. Doch helfen diese Spenden – also langfristig – wirklich weiter?

Eines ist sicher klar, im Falle von Naturkatastrophen, Krieg und Vertreibung braucht es die Spendenbereitschaft um etwas Linderung zu verschaffen. Doch für langfristige Perspektiven ist es besser, die Möglichkeit zur Selbsthilfe zu geben, damit Menschen unabhängig von Spenden ihr Leben gestalten können. Für viele Probleme in den Regionen sind wir auch selbst verantwortlich, weil unser Lebensstil es erfordert, dass wir andere für uns arbeiten lassen. Müll und Schrott wird immer noch exportiert, weil er woanders günstiger zu entsorgen ist. Ähnlich ist es mit unserem Konsum an Kleidung und den riesigen Warenströmen an Billigtextilien. Von den ganzen Auswirkungen, die durch unseren Bedarf an fossilen Brennstoffen weltweit entstehen, will ich an dieser Stelle gar nicht schreiben.
Um Menschen dabei zu unterstützen, unabhängiger zu leben, braucht es in erster Linie Geld, um die nötige Anschubfinanzierung zu geben. Doch Geld, was ohne Gegenleistung ausgezahlt wird, sorgt nicht unbedingt dafür, dass es auch zielführend eingesetzt wird. Andererseits ist es vielen Menschen nicht möglich, Geld von Banken geliehen zu bekommen. Viele haben gar kein Konto und Zinsen bei Kreditgebern sind weit von dem entfernt, was wir hier gewohnt sind. Die Kreditgeber selbst müssen auch höhere Gebühren zahlen, um sich das Geld an den Kapitalmärkten zu besorgen.

An dieser Stelle kommen Plattformen wie Kiva ins Spiel.

Dabei kann jeder leicht etwas tun, indem man ein Darlehensgeber (Lender) wird und bestimmt, welche Personen oder Projekte gefördert werden sollen. Über Organisationen wie Kiva gibt man Partnern vor Ort (Field Partner) Geld und wählt auch die Kreditempfänger (Entrepreneurs). Die Darlehensgeber stellen Kiva ihr Guthaben zinsfrei zur Verfügung und Kiva selbst berechnet ihren Partnerorganisationen ebenfalls keine Zinsen. Das lokale Mikrofinanz-Institut vor Ort berechnet dem Darlehensnehmer jedoch Zinsen, um seine eigenen Kosten zu decken und geht unter Umständen auch mit dem Kredit in Vorkasse, bis auf Kiva die benötigte Summe zusammengekommen ist.

Über Kiva werden können die Field Partner also Kredite günstiger vergeben, mit etwas geringeren Zinsen für den Kreditempfänger, weil sie sich das Geld günstiger am Kapitalmarkt besorgen können. Es funktioniert dann so, dass Menschen, die einen Kredit für etwas brauchen, sich mit einem Profil und ihrem Anliegen vorstellen. Auf Kiva wird das benötigte Geld mittels einem Crowdfunding eingesammelt und dann über den Field Partner an den Kreditnehmer ausgezahlt. Der Kredit wird dann über mehrere Monate zurückgezahlt und die Darlehensgeber bekommen in den meisten Fällen ihr Geld wieder zurück, können es sich auszahlen lassen oder in neue Projekte investieren.

Die Kredite sind zwischen einigen Hundert bis manchmal einigen Tausend Dollar groß und die Mindestsumme, um sich zu beteiligen, liegt bei 25 Dollar. Die Zwecke der Kredite können dabei sehr unterschiedlich sein. Ich habe Projekte unterstützt wo es um Solarlampen ging, den Bau von Toiletten, Einkauf von Farmgerätschaften, Finanzierung von Schulkrediten oder Auf- und Ausbau von Geschäftsideen.

Mein Kiva-Portfolio – Stand Mai 2020

Ich habe für mich entschieden, dass ich keine Projekte unterstütze, die sich nicht von selbst tragen. Es gibt viele Wünsche nach Darlehen, um Vorräte für ein Geschäft zu kaufen bzw. Rohstoffe um die Produktion auszubauen. Was ich auch nicht gern unterstütze ist der Kauf von Tieren oder speziellen Saatgutarten. Mir ist zwar bewusst, dass jemand der sich ein Dutzend Hühner kauft auch ein Geschäft damit aufbaut, doch ähnlich wie mit den Rohstoffen oder Vorräten habe ich den Eindruck, dass sich das nicht langfristig trägt. Ich möchte nicht immer wieder für die gleiche Sache Geld investieren, weil es sich dann wie eine Spende anfühlt und ich den Eindruck habe, dass das Geschäft nur durch immer neue Geldspritzen funktioniert. Vielleicht liege ich auch falsch damit, doch ich unterstütze lieber Projekte, wo ich den Sinn besser sehen kann.

Wie an den folgenden Grafiken zu sehen ist, unterstütze ich überwiegend Projekte, die von Frauen geleitet werden. Ob Frauen besser mit Geld umgehen können, die zuverlässigeren Kreditempfängerinnen sind oder aus anderen Gründen vorgeschickt werden, kann ich nicht beurteilen. Vielleicht wirtschaften sie einfach besser, weil sie auch ihre jeweiligen Haushalte und die Kindererziehung managen müssen. Bei den Kategorien unterstütze ich vieles was mir sinnvoll erscheint. Ich mag Projekte, die die Lebensumstände verbessern, wie Solarlampen um auch nach Einbruch der Dunkelheit was machen zu können. Auch den Bau von Toiletten oder Ausbau von Häusern unterstütze ich gern. Super sind Projekte, wo in schwierigen Regionen Möglichkeiten geschaffen werden um eigene Geschäfte aufzubauen, beispielsweise durch den Kauf von Nähmaschinen. Manchmal gibt es auch Kredite um Schulgebühren, Unterrichtsmaterialen oder ähnliches zu finanzieren. Aus meiner Sicht sorgt das alles dafür, um langfristig die Lebensumstände zu verbessern.

Weil Kiva eine Non-Profit-Organisation ist, die selbst auch auf Spenden angewiesen ist, wird bei jedem Kredit um eine Beteiligung an den Kosten der Plattform geworben. Man kann bei jeder Beteiligung etwas spenden oder auch angeben, dass das Geld, was dann vom Kreditnehmer zurückgezahlt wird, vollständig an Kiva gezahlt wird. Ab und zu gibt es auch Aktionen wo ein großer Geldgeber bestimmte Kredite unterstützt, indem Beteiligungen an diesen Projekten mit dem Mindestbetrag von 25 Dollar erhöht werden.
Das ist eine gute Sache um neue Mitglieder auf die Plattform zu holen. Doch auch ohne diese Aktionen kann ich die Plattform jedem empfehlen, der mit einem bewussteren Gefühl Geld spenden möchte um damit etwas in der Welt zu bewirken.

Ich habe mir bisher kein Geld wieder ausgezahlt. Aktuell nutze ich auch keinen monatlichen Sparplan sondern warte bis etwas Geld wieder zurückgezahlt wurde und suche mir dann neue Projekte. Wenn ich dann diese unterstütze erhöhe ich mein Investment und zahle so zusätzlich etwas mit ein.
Aktuell habe ich 120 Dollar zur Verfügung und habe in der Kategorie „Eco friendly“ ein Projekt gefunden, wo für 575 Dollar einem Mitglied der Gruppe ein spezieller Solar-Ofen gekauft wird. Dem Projekt fehlten noch 200 Dollar, die ich jetzt hinzugefügt habe, zusätzlich 30 Dollar für Kiva als Spende. Laut Plan sollen im Juni gut 80 Dollar zurückgezahlt werden, die ich dann wieder in neue Projekte schieben werde.

Blick ins Portfolio – Mai

Seit einigen Monaten habe ich ein zweites Depot, um aktiver mit Aktien und ETFs handeln zu können. Mein Gedanke war, dass es ja nicht viel Sinn macht, Geld nur auf dem Tagesgeldkonto zu lassen, wenn ein Teil davon auch an anderer Stelle für mich arbeiten könnte. Außerdem wollte ich mich bewusster mit nachhaltigen Investments auseinandersetzen. Dabei bin ich auf die Seite der ECOreporter gestoßen, wo es gute Analysen der verschiedenen Aktientitel gibt. Ich muss zugeben, dass mir etwas Hilfe ganz gut tut, denn ich bin eher impulsiv beim investieren, was ja nicht so gut ist. Wenn andere in Panik geraten, lasse ich mich davon leicht anstecken.

Als der Hype um Kryptowährungen anfing in der Presse erste Wellen zu schlagen, vor ein paar Jahren, habe ich das erste Mal angefangen aktiver zu handeln. Ich habe mir ein Konto bei einer Handelsplattform angelegt, gut 200 Euro investiert und mich in die Chartanalyse eingelesen. Manchmal dachte ich, dass ich den Dreh ganz gut raus hatte, doch vermutlich waren es eher Glück und generell steigende Kurse, die mir nach einigen Monaten etwas mehr als 100% Gewinn einbrachten. Ich dachte natürlich, dass ich jetzt wüsste wie es geht und habe mein Weihnachtsgeld investiert, nur um dann im Januar den Absturz von Bitcoin direkt mitzuerleben. Weil alle anderen Kurse auch im Sturzflug waren bzw. nur noch zitternde Seitwärtsbewegungen machten, waren keine wirklichen Gewinne mehr möglich. Glücklicherweise habe ich die Anteile dann liegen gelassen und sie nicht so weit unter Wert wieder in Euro zurückgetauscht. Jetzt, wo der Bitcoin-Kurs in neuen Höhen ist, sind die paar Euro, die ich damals investiert hatte, wieder ganz gut angewachsen. Doch ich lasse sie jetzt einfach liegen, denn der Kurs ist viel zu hoch um noch etwas nachzukaufen und zum aktiven Handeln fehlt mir die Zeit.

Handeln macht sich nicht von allein – Photo by Austin Distel on Unsplash

Richtig zu handeln kostet viel Zeit. Das war eigentlich die wichtigste Lektion, die mich das Handeln mit Kryptowährungen gelehrt hat. Nachdem ich mich etwas in das Thema eingelesen hatte, habe ich gleich bei den ersten Käufen den Rausch und auch die Sorgen erlebt, wenn die Kurse steigen oder fallen. Ich glaubte zwar, die verschiedenen Signale zu erkennen und entsprechend zu deuten, aber letztlich war das nicht mehr als bewusstes Würfeln. Nicht ohne Grund ist das Handeln ein richtiger Beruf. Ich musste mir eingestehen, dass ich dass nicht einfach so nebenbei machen konnte, wenn ich mehr als zufällige Gewinne erzielen wollte. Und natürlich habe ich mich auch dazu verleiten lassen, bei stark fallenden Kursen schnell zu verkaufen anstatt den Markt besser zu beobachten. So laienhaft wie ich das aktive Handeln betrieben habe, war es nicht viel mehr als ein Glücksspiel.

Doch so ganz kann ich nicht davon lassen. Zu sehr locken auch die Gewinne, die sich mit einzelnen Aktienoptionen erzielen lassen. Deshalb habe ich mir vor einigen Monaten ein Depot bei einer dieser Firmen zugelegt, die in den Sozialen Medien viel Werbung machen. Mir ist eine vernünftige App wichtig, denn mit dem Depot bei meiner Bank bin ich nie so richtig warm geworden. Zugegeben, als ich das Depot damals dort hatte, habe ich mich kaum mit dem Thema beschäftigt und nach den Kurssprüngen der Gamestop-Aktie, wo auch mein Depotanbieter den Handel gedrosselt hatte, habe ich mir wieder ein Depot bei meiner Bank zugelegt.

Ich möchte in meinem Depot nur Positionen haben, die aus meiner Sicht nachhaltig sind und von denen ich mir gute Gewinne verspreche. Entweder weil ich die Unternehmen kenne und ahne, dass es denen in Zukunft gut gehen könnte, oder weil die Unternehmen Vertreter von Branchen sind, denen es gerade ganz gut geht. Aber manches ist sicher auch hier nur Würfeln auf teurem Niveau.

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Ich handele momentan nicht wirklich in meinem Depot. Über einen Sparplan kaufe ich dort einen ETF und ansonsten habe ich einen monatlichen Dauerauftrag um einen kleinen Betrag dort anzulegen. Wenn immer etwas zusammen gekommen ist, dann kaufe ich Aktien, die mir gerade sinnvoll erscheinen. Von einer Position habe ich mich schnell wieder getrennt, Senvion, weil der Kauf doch nicht so schlau erschien. Senvion war mal eine großer Hersteller von Windenergieanlagen, einst hießen sie RePower, dann verloren sie die Namensrechte und mussten vor gut zwei Jahren Insolvenz anmelden. Die Aktie ist billig, um die 20 Cent und vor ein paar Wochen gab es einen Kurssprung auf 60 Cent. Ich habe natürlich zu spät gekauft und dann ein paar Meldungen gelesen, dass dieses Kursfeuer doch eher ein letztes Aufflackern war.

Ein Blick in mein Depot

Neben einem ETF, dem Global Clean Energy, von dem ich monatlich über einen Sparplan für 30 Euro Anteile kaufe, habe ich die folgenden Aktien in meinem Depot.

  • Vestas ist ein dänischer Hersteller von Windenergieanlagen. Weil ich bisher in meiner Arbeit hauptsächlich mit Anlagen dieses Herstellers zu tun habe und mir das Unternehmen irgendwie sympathisch ist, habe ich die Pressemeldungen der letzten Zeit auch stärker verfolgt. Windenergie boomt ja weltweit und da spielt Vestas gut mit, weil die Anlagen gut sind und auch der Service zuverlässig ist. Die Aktie ist eine der teuersten in meinem Depot, aktuell um die 180 Euro, aber nach einer Talfahrt entwickelt sich der Kurs gerade wieder gut.
  • Von NIO habe ich in einem Zeitungsartikel gelesen und dort wurde die Firma als der Tesla Chinas benannt. Ich hatte vorher noch nie von der Firma gehört. Doch die Autos sehen schick aus und besonders deren Ladekonzepte finde ich spannend. Die haben so eine Art Garage entwickelt, wo man reinfährt, das Auto auf eine Hebebühne kommt, ein Roboter den Akku rausnimmt und einen neuen reinsteckt. Damit geht das „Aufladen“ viel schneller. Natürlich braucht es dafür eine entsprechende Infrastruktur und die ist in China vermutlich einfacher zu erschaffen als in Europa. Aber solche Vorreiter können vielleicht Trends setzen in der noch jungen Branche.
  • Die Firma PNE macht Projektentwicklung im Bereich der Erneuerbaren Energien in Deutschland und als einer der Großen im Lande, haben sie auch das Potenzial gute Projekte umzusetzen. Jetzt, wo der Preisdruck auf Projekte zunimmt, werden es eher die Großen sein, die dem standhalten können. Die Aktie hat sich im Laufe des letzten Jahres gut entwickelt, doch ich habe noch nicht viel Gewinn damit gemacht. Weil die allgemeine Lage in der Windbranche noch angespannt ist, hoffe ich hier auf eine bessere Zukunft.
  • Plug Power ist ein Hersteller von Brennstoffzellen, der ganz gute Kursentwicklungen hatte. Vielleicht habe ich aber hier den günstigen Zeitpunkt zum Ausstieg verpasst. Da muss ich mal genauer nachlesen.
  • Nordex ist auch ein Hersteller von Windenergieanlagen, etwas günstiger als Vestas, wird auch nicht so oft gekauft. Aber die machen auch gute Anlagen und letztlich ist es immer ein Kopf-an-Kopf-Rennen, wer gerade die bessere Anlage hat und wessen Anlagen deshalb eher bestellt werden.
  • Ein anderer Internetfund ist die Nilfisk Holding, ein dänischer Hersteller von Reinigungsgeräten. Dagegen ist aus Sicht von nachhaltigen Investments ja nichts zu sagen und die Gewinne sind ganz ordentlich gewesen im letzten Jahr. Für mich ist es eher ein Unternehmen, um etwas Streuung in das Depot zu bringen.
  • L’Occitane ist auch ein Tipp aus dem Internet, ein Hersteller von Naturkosmetik. Ich habe aber keinen besonderen Bezug zu der Firma. Die Aktie kostet nur ein paar Euro und hat sich im letzten Jahr gut entwickelt. Und weil der Trend mit Naturkosmetik anhalten wird, sollte das auch gut weitergehen.
  • Iberdrola ist einer der großen europäischen Energieversorger, mit Projekten in aller Welt und riesigen Wachstumsplänen. Und weil ich eine besondere Beziehung zu dem Unternehmen habe, wollte ich ein paar Aktien kaufen. Doch der Kurs entwickelt sich nicht so prächtig, so dass ich vermutlich nichts nachkaufen werde.
  • Mit der Firma Encavis hatte ich ein paar Berührungspunkte. Das Unternehmen investiert in Solar- und Windparks, betreibt diese auch und macht die Betriebsführung. Der Kurs ist aber gerade etwas eingebrochen.
  • Die Umweltbank habe ich auch zur Streuung mit in mein Depot genommen. Viele Projekte im Bereich der Erneuerbaren Energien werden entweder mit Krediten der DKB oder der Umweltbank finanziert. Mehr Projekte gleich mehr Kredite gleich mehr Gewinn für die Bank. Mal sehen ob diese Rechnung so aufgeht.
  • Das norwegische Finanzunternehmen Storebrand ist auch so ein Internetfund, die viel im Bereich Erneuerbare Energien machen sollen. Doch ich muss mich noch stärker mit dem Unternehmen beschäftigen.
  • ReneSola ist ein ein weltweit führender Entwickler und Betreiber von Solarprojekten. Das Unternehmen konzentriert sich auf die Entwicklung, das Baumanagement und die Finanzierung von Solarprojekten. Die Aktie ist nicht teuer und hat im letzten Jahr große Gewinne gemacht und steht nach einem Kurseinbruch immer noch sehr gut da. Weil Solar weltweit boomt gehe ich davon aus, dass sich der Kurs weiter erholen wird.
  • Auch ein Tipp aus dem Internet ist REC Silicon. Der norwegische Hersteller von Silizium, der überwiegend in den USA produziert, profitiert von der Nachfrage nach Silizium für Akkus. Mehr E-Mobilität bedeutet für die nächsten Jahre auch mehr Bedarf an Silizium. Der Abbau steht ja etwas in der Kritik, weil dafür viel Wasser benötigt wird. Man kann darüber diskutieren, ob diese Aktie in ein nachhaltiges Depot gehört. Ich denke, dass wir für den Umstieg auf einen nachhaltigeren Konsum so schnell wie möglich weg von fossilen Brennstoffen kommen müssen. Der Abbau von Silizium für mehr Akkus ist deshalb ein notwendiges Übel, das lokal für Probleme sorgt, dem großen Ganzen aber nützt. Mittelfristig wird es andere Alternativen geben, Feststoffbatterien und auch ein Recycling von Silizium.
  • GCL Poly Energy ist eine weitere Firma im Bereich der Produktion von Silizium, aus China. Das Unternehmen produziert aber auch Solarzellen und macht Solarprojekte.

Ich habe mir vorgenommen in regelmäßigen Abständen den Bestand meines Depots hier darzustellen und so andere etwas zu inspirieren, mehr Nachhaltigkeit im eigenen Depot zu fördern. Da ich kein Händler bin, der jeden Tag oder sogar mehrmals täglich die Kurse checkt, werde ich sicher die ein oder andere Entwicklung verschlafen. Hoffentlich schlägt es dann durch die Streuung nicht so ins Gewicht.

Mit gutem Gewissen investieren

Beim Einkauf achten wir auf verschiedene Siegel oder gehen gleich in den gut sortierten Bioladen. Wir suchen auf den Verpackungen im Kleingedruckten und stellen auch mal wieder was zurück, was wir eigentlich nicht unterstützen wollen. Bei Obst und Gemüse achten wir darauf, dass die Sachen nicht ewig weit gereist sind, bevor sie bei uns im Einkaufsbeutel landen. Aber wie ist das eigentlich mit dem Geld, was auf unserem Konto liegt, was in unserer Altersvorsorge investiert ist oder wo wir für die nächste Anschaffung oder einen schönen Urlaub sparen?

Photo by Micheile Henderson on Unsplash

Wenn unser Geld bei der Bank liegt, dann wartet es dort ja nicht im Tresor auf uns. Stattdessen investiert es die Bank in irgendetwas, kauft vielleicht Immobilien, Staatsanleihen, verleiht es weiter in Form von Krediten oder investiert in Unternehmen. Aber selbst wenn wir unser Geld selbst anlegen, weil wir einen Sparplan haben oder es in unserer Altersvorsorge steckt, wird irgendwo mit dem Geld gewirtschaftet. Und genau hier ist der Haken! Die meisten wissen gar nicht, was ihr Geld so macht, wenn es gerade bei einer Bank oder in einem Anlageprodukt auf sie wartet. Auf der einen Seite achten wir sehr darauf, was wir mit unserem Geld kaufen und wen wir so unterstützen. Aber wenn wir unser Geld nicht sehen, interessieren wir uns nicht sonderlich dafür, was Banken und andere Investmenthäuser mit unserem Ersparten so anstellen.

Ein neues Modewort sind „Nachhaltige Investments“, denn natürlich kann jeder auch mit gutem Gewissen sein Geld anlegen. Aber der Begriff „Nachhaltigkeit“ selbst ist nicht eindeutig, jeder kann selbst festlegen, was nachhaltig ist und was nicht.

Schwache vs. Starke Nachhaltigkeit – eigene Darstellung

Beim Thema Nachhaltigkeit kommt es darauf an, die Bereiche Soziales, Wirtschaft und Ökologie in Einklang zu bringen. Die drei Bereiche können als gleichwertig betrachtet werden und in diesem Fall spricht man vom Drei-Säulen-Modell oder der Schwachen Nachhaltigkeit. Oder es gibt eine klare Gewichtung und im Mittelpunkt steht die Ökologie, denn ohne diese ist keine gesunde Gesellschaft möglich und somit auch keine funktionierende Wirtschaft. Dies wird als Vorrangmodell oder als starke Nachhaltigkeit bezeichnet.

Weil wir nun alle die Folgen des Wirtschaftens der letzten Jahrzehnte ausbaden müssen, sollte das Vorrangmodell das relevantere sein und Nachhaltigkeit nur dann als solche bezeichnet werden, wenn der ökologische Einfluss am stärksten bewertet wird.

Während beim Einkauf im Bioladen oder irgendwo im Internet noch gut erkennbar ist, welche Auswirkungen unsere Entscheidungen haben, ist es bei den Geldanlagen viel schwieriger. Weil wir in den meisten Fällen unser Geld nur abbuchen lassen oder irgendwo einzahlen, wissen wir nicht, was weiter damit gemacht wird. Deshalb ist das Thema Nachhaltige Investments auch viel komplexer als es auf den ersten Blick erscheint. Denn einen grundsätzlichen Unterschied zwischen den klassischen Anlageformen und ihren nachhaltigen Alternativen gibt es nicht. Es kommt immer darauf an, in welche Werte investiert wird und welche Strategie dem zugrunde liegt.

Weil die Anlagestrategie ausschlaggebend ist, sind nachhaltige Investments auch keine Spaßverderber im Portfolio. Jeder kann mit gutem Gewissen sein Geld für sich arbeiten lassen. Es gibt gute, nachhaltig investierende Fonds, wo strenge Regeln dafür sorgen, dass nicht nur der Gewinn sondern auch die Auswirkungen der Investments im Mittelpunkt stehen.

Seit einiger Zeit beschäftige ich mich bewusster mit dem Thema. Bei einem früheren Job hatte ich die Gelegenheit, etwas hinter die Kulissen eines Investmentfonds zu blicken und das hat auch dafür gesorgt, dass ich meine bestehenden Anlageprodukte heute etwas mehr hinterfrage. Ich bin schon gut versorgt, habe etwas für meine private Altersvorsorge getan und die Produkte investieren auch über Fonds in Aktien. Doch bisher hat mich nicht groß interessiert, was das für welche sind. Das dieses Thema durchaus unangenehme Wahrheiten beinhalten kann, war mir zwar bewusst, es gibt immer mal Artikel dazu, wie dieser hier, welcher 2011 in der ZEIT erschienen ist. Aber wie viele andere auch, habe ich das Thema verdrängt und war auch nicht fähig hier genauer hinzuschauen, denn in welche Firmen ein Aktienfonds investiert ist nur schwer erkennbar. Die größten Positionen im Portfolio werden vielleicht noch präsentiert, anderes lässt sich auch Jahresberichten herauslesen, doch um so weit zu kommen, müssen einige einige Hürden genommen werden.

Jeder von uns sollte sich genauer damit auseinandersetzen, was das Ersparte ohne einen bei der Bank macht. Denn wie kann ich mit bewussten Kaufentscheidungen im Laden einen Wandel erreichen, wenn ich ihn gleichzeitig mit meinem Geld bei der Bank verhindere?