Was ist der Ökologische Fußabdruck

Wieviel Einfluss hat der eigene Lebensstil auf die Veränderungen des Klimas? Natürlich müssen auch die großen Sachen angepackt werden – Energiewende, Sektorkopplung, Treibhausgasausstoß, Plastikmüll und so weiter. Doch auch kleinen Veränderungen bei jedem von uns machen in der Summe viel aus. Der ökologische Fußabdruck kann eine Orientierung geben und zu wirkungsvollen Veränderungen motivieren.

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Wir verbrauchen mehr Ressourcen, als uns die Erde zur Verfügung stellt. Symbolisch wird dies durch den Erdüberlastungstag dargestellt. Der weltweite Erdüberlastungstag ist üblicherweise erst im späten Sommer, doch auf die einzelnen Länder bezogen, ist er oft viel früher. In diesem Jahr hat Deutschland schon am 5. Mai die nachwachsenden Ressourcen verbraucht, die dem Land rechnerisch für das gesamte Jahr zur Verfügung stehen. Für die Berechnung des Erdüberlastungstags werden zwei Größen gegenüber gestellt: die biologische Kapazität der Erde zum Aufbau von Ressourcen sowie zur Aufnahme von Müll und Emissionen und der Bedarf an Wäldern, Flächen, Wasser, Ackerland und Fischgründen, den die Menschen derzeit für ihre Lebens- und Wirtschaftsweise verbrauchen.

Das der Tag, an dem diese Ressourcen für das Jahr verbraucht sind, immer früher kommt, müsste eigentlich ein Alarmsignal für uns alle sein. Denn es bedeutet, dass wir einen immer größeren Teil des Jahres auf Pump leben und schon heute die Ressourcen der Generationen von morgen verbrauchen. Es bedeutet aber auch, dass Veränderungen, die erst später passieren, dann viel einschneidender sein müssen, als wenn man schon jetzt was macht. Noch besser wäre, wir hätten schon vor Jahrzehnten damit angefangen.

Um den Verbrauch von Ressourcen auf der persönlichen Ebene darzustellen, gibt es das Modell des Ökologischen Fußabdrucks. Denn niemand macht sich die Mühe die ganzen Studien zu diesem Thema durchzuarbeiten um anschließend Rückschlüsse auf das eigene Leben zu ziehen. Es gibt verschiedene Rechner im Internet, wo jeder anhand von Fragen seinen ökologischen Fußabdruck berechnen und leicht ausprobieren kann, welche Veränderungen den größten Einfluss hätten.

Die Maßeinheit für den ökologischen Fußabdruck ist die Biokapazität, welche als “globale Hektar” [gha] dargestellt wird. Weil die Fruchtbarkeit von Böden auf der Erde nicht gleich verteilt ist und Berge oder Wüsten naturgemäß weniger fruchtbar sind als Wiesen oder bewirtschaftete Äcker, würde der normale Hektar, grob die Fläche eines Fußballplatzes, nicht reichen und eine eine falsche Wahrnehmung vermitteln. Um den ökologischen Fußabdruck von unterschiedlichen Ländern oder diversen anderen Gebieten miteinander vergleichen zu können, werden die Werte in „Globalen Hektar“ pro Person und Jahr angegeben. Der Globale Hektar entspricht einem Hektar mit weltweit durchschnittlicher biologischer Produktivität.

Auf der einen Seite der Gleichung stehen die Flächen, die unser Planet Erde hat, also Wälder, Felder, Seen, Meere, Wüsten, Weiden, Steppen, Straßen und Städte. Dabei wird auch die unterschiedliche „biologische Produktivität“ der Erdoberfläche berücksichtigt. Das Ergebnis entspricht der Biokapazität der Erde.
Auf der anderen Seite der Gleichung steht die Biokapazität des Menschens, also die Energiegewinnung, der Verbrauch für Bauland und Viehzucht. Jedes Wirtschaften beansprucht Fläche. Auch Abfälle und Abgase muss die Umwelt verarbeiten. Mit dem Ökologischen Fußabdruck kann man Angebot und Nachfrage vergleichen. Wie viel Natur haben wir? Wie viel brauchen wir? Und wer nutzt wie viel?

Toll wäre, wenn die Menschheit weniger verbrauchen würde, als der Planet zur Verfügung stellt. Doch die Realität sieht anders aus. Die pro Erdenbürger verfügbare Biokapazität beträgt derzeit 1,6 gha. Dabei ist die Biokapazität noch nicht berücksichtigt, die benötigt wird, um die Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt zu erhalten. Der sinnvoll zu nutzende Fußabdruck liegt also eigentlich deutlich unter 1,6 gha. Der ökologische Fußabdruck beträgt im Weltdurchschnitt aber 2,7 gha. Wir nutzen so viel Natur als hätten wir 1,7 Planeten Erde. Die Folgen des überhöhten Verbrauchs können wir schon heute feststellen, beispielsweise wenn Fischbestände in den Meeren immer kleiner oder die Böden durch eine intensive Ackerwirtschaft immer schlechter werden. Während die Nachfrage nach Ressourcen steigt, nimmt das Angebot ab. Auch weil wir es der Erde durch unsere Hinterlassenschaften immer schwerer machen, sich zu regenerieren.

Jeder Mensch hinterlässt eine unterschiedlich große Fußspur. Und es gibt deutliche Unterschiede zwischen den Ländern. In Deutschland ist der durchschnittliche Naturverbrauch pro Kopf 4,8 gha. In Bangladesch sind es nur 0,8 gha, in Äthiopien 1,0 gha und in Nicaragua 1,8 gha.

Alle Rechner funktionieren ähnlich und fragen die vier Hauptbereiche des täglichen Lebens ab. Der Wert ist ein umfassender und gut vergleichbarer Maßstab, um Umweltwirkung des eigenen Verhaltens oder zum Beispiel auch des Handelns eines Unternehmens besser einschätzen und verbessern zu können. Eigentlich müsste noch ein fünfter Bereich berücksichtigt werden, nämlich die Art von Industrien und Geschäftszweigen, die wir mit unseren Investments unterstützen. Doch dieser Bereich ist so schwer zu durchschauen, dass er nirgends berücksichtigt wird.

Die vier Bereiche sind

  1. Wohnen (z.B. Wohnfläche, Heizung sowie Strom)
  2. Ernährung (z.B. Fleisch- und Wurstverzehr, Fischverzehr, Tierische Produkte, Bio Lebensmittel, Regional und saisonal sowie Lebensmittelverschwendung)
  3. Mobilität (z.B. Bus und Bahn, Auto sowie Flugzeug)
  4. Konsum (z.B. Fuhrpark, Einrichtung, Freizeit, Kleidung, Konsumgüter, Haustiere sowie Müll)

Ich habe meinen ökologischen Fußabdruck mit dem Rechner von „Brot für die Welt“ ermittelt und mein Wert ist für Deutschland gar nicht so schlecht, aber insgesamt natürlich noch viel zu hoch.

Ich war etwas erschrocken, denn ich hätte meinen Wert geringer eingeschätzt. Aber auch wenn ich unser Auto kaum benutze, steht es doch da. Meine Wohnung ist klein, das gibt Pluspunkte für die Berechnung, aber weil ich auch Fleisch esse, ist der Teil für die Ernährung der ausschlaggebendste. Hier könnte ich vermutlich am leichtesten viel bewirken, auch wenn die Umstellung vielleicht am schwersten ist.

Die Flut der Einwegbecher

Es ist eine Verschwendung: Produziert irgendwo, wird der Becher zu uns gebracht, mit etwas heißer Flüssigkeit befüllt, von uns ein paar Schritte getragen und dann in den nächsten Mülleimer gesteckt oder irgendwo in die Umwelt geworfen. Durch Corona und die Angst vor Keimen ist die Lage noch mal schlechter geworden und es hat den Eindruck, als ob frühere Fortschritte wieder zunichte gemacht wurden.

Die Grafik zeigt ausgewählte Daten zum Verbrauch von Einwegbechern in Deutschland.

Die Zahlen sind schockierend hoch. Stündlich sollen es 320.000 Einwegbecher sein, die in Deutschland verbraucht werden. Die Zahlen lassen sich schlecht selbst prüfen, doch wer in der Stadt lebt und täglich die überquellende Mülleimer sehen kann, dem fallen auch die vielen Einwegbecher auf. Zwar verzichten viele mittlerweile auf den Plastikdeckel, doch da die meisten Becher innen mit einer dünnen Kunststoffschicht überzogen sind, ist das nur ein schwacher Trost. Allein in Berlin sollen es 460.000 Kaffee-Einwegbecher täglich sein, die ihren Weg in einen Abfalleimer finden. Täglich!

Daran wird auch die Ankündigung der Bundesregierung, dass ab dem 3. Juli 2021 der Verkauf verschiedenen Einwegprodukten aus Plastik oder Styropor, wie Besteck oder Geschirr, Trinkhalme, Rührstäbchen sowie Wattestäbchen und Luftballonstäbe, verboten wird, nur wenig ändern. Denn die Kaffeebecher aus Pappe, mit oder ohne Kunststoffüberzug, wird es auch weiter geben.

Ein Haufen Einwegbecher in New York, wo noch mehr aus Wegwerfprodukten konsumiert wird als hier.
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Tückisch sind besonders die Becher für Heißgetränke, die zwar wie ein Pappbecher aussehen, innen aber mit Kunststoff beschichtet sind. Eigentlich müssten diese Becher in der gelben Tonne landen, damit sie zumindest teilweise recycelt werden, doch stattdessen landen die meisten in einem Abfalleimer und werden dann verbrannt. Schade um die Rohstoffe und die Energie, die nötig war um den Becher für diese kurze Nutzungsdauer herzustellen. Denn für die 2,8 Milliarden Pappbecher, die jährlich in Deutschland verbraucht werden, müssen in der Produktion Fasern von 43.000 Bäumen, etwa 3.000 Tonnen Rohöl und 1,5 Milliarden Liter Wasser verwendet werden. Am Ende entstehen daraus 40.000 Tonnen Abfall pro Jahr.

Wer daran etwas ändern möchte, kann leicht bei sich selbst anfangen. Es ist zwar etwas unbequem, aber wer einen Mehrwegbecher mitnimmt, kann sein Getränk auch gut aus dem eigenen Becher trinken. Den kann man später abwaschen und dann wieder benutzen. So ein Becher steht in vermutlich jedem Haushalt, notfalls würde auch ein Schraubglas funktionieren. Aber die meisten werden sicher einen geeigneten Mehrwegbecher haben, werden diese doch gern als Werbegeschenk verteilt oder in einer Sammeledition verkauft.

Das Bundesumweltministerium schreibt auf seiner Seite, dass ein Mehrwegbecher mehr als zehnmal, besser mehr als 25-mal genutzt werden sollte, um die ökologischen Vorteile auszuspielen. Viele Becher sind aus Kunststoff, manche aus Holz (mit Kunststoff in Form gebracht), andere aus Metall (mit Wärmeisolierung) und seltener gibt es auch welche aus Glas oder Keramik. Es ist in jedem Fall leicht nachzuvollziehen, dass die Herstellung des Mehrwegbechers mehr Energie gekostet hat, als die des Einwegproduktes. Doch werden die Becher dann mehrfach genutzt, kann jeder leicht etwas Gutes tun. Das einzige womit man leben muss, ist den Becher dann wieder abzuspülen und einzupacken, damit er beim nächsten Mal griffbereit ist.

Was bei all dem aber nicht vergessen werden soll, eine gute Möglichkeit ist auch, den Kaffee einfach direkt vor Ort zu trinken. In einer richtigen Tasse, vielleicht mit ein paar Sonnenstrahlen und etwas Gebäck, entsteht so ein toller Moment der Achtsamkeit. Oft wirkt so eine kleine Auszeit viel besser, als das Getränk im Alltagsstress im Laufen hinunterzukippen.