Der chinesische Tesla?

Auf deutschen Straßen sind die Autos von NIO noch nicht aufgefallen, doch das Unternehmen aus China hat innovative Ideen für Fahrzeuge und Ladeinfrastruktur, die auch hierzulande für Abwechslung sorgen könnten. Wenn sich das Unternehmen gut weiter entwickelt, dann sind das auch gute Nachrichten für den Aktienkurs – und darüber würde sich auch mein Portfolio freuen. Deshalb ist es wert, das Unternehmen etwas genauer zu betrachten.

Foto von Gareth Willey von Pexels

Ähnlich wie Tesla verkauft das im Jahr 2014 gegründete Unternehmen NIO Elektrofahrzeuge eher für das Premiumsegment, für Kund:innen, die über das nötige Kleingeld verfügen und Lust auf technische Spielereien haben. Neben Rekorden in der Formula E, haben Autos der Firma für gute Ergebnisse beim autonomen Fahren gesorgt. Seit Mitte 2019 sind Fahrzeuge auch gewöhnliche Kund:innen verfügbar. Im Mai 2021 hat NIO eine Pressemitteilung veröffentlicht, dass die Fahrzeuge nun auch in Norwegen und damit in Europa angekommen sind. Neben den Fahrzeuge wird auch die innovative Ladetechnik in Europa aufgebaut, die sich von vielen anderen unterscheidet.

Eine innovative Ladetechnik

Natürlich können die Fahrzeuge auch über die Steckdose oder auch an einer Schnellladestation aufgeladen, doch es gibt noch eine andere, viel schnellere Möglichkeit, zu mehr Reichweite zu kommen. NIO ist der einzige mir bekannte Hersteller, der ein System entwickelt hat, wo automatisch der komplette Akku des Autos ausgetauscht wird. Ein vergleichbares System gab es eine zeitlang in Berlin mit den e-Scooter der Firma Coop, deren Roller jetzt für die Firma Tier fahren und deren Akkus sich leicht austauschen ließen. Nur die zugehörigen Akku-Tauschstationen hatten es nicht von Taiwan, dem Sitz des Unternehmens Gogoro nach Deutschland geschafft.

Das System von NIO sieht aus wie eine kleine Garage mit einer integrierten Hebebühne. Das Auto wird hineingefahren und der Akku dann automatisch ausgebaut und durch einen vollständig aufgeladenen ersetzt. So ist der „Ladevorgang“ in wenigen Minuten erledigt. Der leere Akku wird in der Station für die nächsten Fahrer:innen wieder aufgeladen. Bei der neueren Version dieser Tauschstationen, Power Swap Station genannt, müssen die Fahrer:innen das Auto nicht einmal mehr selbst in die Garagenbox fahren. In meinen Augen ist das mehr als eine innovative Idee, fast ein „Game Changer“, wenn nicht das Manko wäre, dass dafür auch viele dieser Stationen errichtet werden müssten. Noch schicker wäre es, wenn der Akku nicht nur in NIO Autos, sondern auch in andere Autos passen würde.

Fahrzeuge von NIO und zugehörige Power-Swap-Stationen kommen nun auch nach Europa. Quelle

Doch auch wenn hierzulande die Zahl der Ladesäulen zunimmt – zumindest in den Großstädten – ist es keine Selbstverständlichkeit, eine passende und freie Ladesäule in der Nähe zu haben. Und gerade bei langen Strecken ist es noch zu kompliziert, als das die große Masse der Menschen nun leicht auf Elektrofahrzeuge umsteigen würde. Viele haben noch immer die unbegründete Angst, dass sie mit einem Elektroauto nicht mal eben Tausende Kilometer fahren können. Zwar macht vermutlich nur ein ganz kleiner Teil der Bevölkerung regelmäßig solche Ausflüge, aber alle wollen doch zumindest die Möglichkeit bei ihrem Auto haben. Einheitliche Stecker sind ja nur ein kleiner Schritt, einfachere und unkomplizierte Ladevorgänge wären wünschenswert.

Aber wie wäre es, wenn gleich die kompletten Akkus aus den Fahrzeugen ausgetauscht werden könnten und diese auch zwischen den Autos unterschiedlicher Marken zueinander kompatibel wären. Wenn es hier einen Standard gäbe – so wie beim Benzin, wo es egal ist, an welcher Tankstelle man tankt, weil immer das gleiche Zeug aus dem Hahn kommt und es in jedem Auto funktioniert – das würde die komplette Nutzung des Autos verändern. Dann wäre es egal, ob man einen Tesla, NIO, VW oder Mercedes fährt, wenn der Akku einfach in jedes Auto eingesetzt werden könnte. Hoffnung macht eine Initiative aus Japan, wo sich verschiedene Hersteller zusammengeschlossen haben, um austauschbare Akkus für Motorräder zu entwickeln.

NIO in meinem Portfolio

Ich glaube daran, dass dem Elektroauto die Zukunft gehört, zumindest im Personenverkehr. Für LKWs wird es vermutlich doch die Wasserstofftechnik sein, vielleicht kommt auch irgendwann noch die Erkenntnis, dass nicht alles auf der Straße transportiert werden muss. Aber bei klassischen PKWs werden sich Elektroautos durchsetzen und es wird viele kleine, günstige Modelle geben, die zunehmend den Individualverkehr durch komfortablere Sharing-Konzepte ersetzen werden.

Bisher wurden Autos aus China oft als billige Kopien verspottet. Doch die Elektromobilität, welche durch eine einfachere Antriebstechnik ganz neue Designs ermöglicht, könnte von dort aus mit Innovationen rund um das eigentliche Fahrgefühl zu einem Siegeszug starten. Die Fahrzeuge von Tesla haben vorgemacht, wie sich das Auto weiterdenken lässt, wenn im Mittelpunkt der Computer mit seinen Sensoren steht. Es wird andere Firmen geben, die hier mit aufspringen und ganz neue Einfälle haben. NIO ist für mich ein gutes Beispiel und das Tauschkonzept der Akkus könnte sich zu einer echten Alternative zu den Schnellladesäulen entwickeln.

Momentan sind die Fahrzeuge von NIO außerhalb Chinas kaum bekannt. Auch deshalb hat der Aktienkurs noch nicht das Niveau von Tesla erreicht. Aber weil das Unternehmen ein paar Dinge anders als die Konkurrenz macht, könnte sich das bald ändern. So lässt NIO seine Fahrzeuge nicht in eigenen Werken fertigen, kann deshalb schneller wachsen und leichter in neue Märkte expandieren. Die Prognosen sind vielversprechend!

Ich spekuliere auf eine gute Zukunft für das Unternehmen und hoffe das es nicht in die Mühlen der Weltpolitik gerät, wie es Huawei ergangen ist.

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