Die Flut der Einwegbecher

Es ist eine Verschwendung: Produziert irgendwo, wird der Becher zu uns gebracht, mit etwas heißer Flüssigkeit befüllt, von uns ein paar Schritte getragen und dann in den nächsten Mülleimer gesteckt oder irgendwo in die Umwelt geworfen. Durch Corona und die Angst vor Keimen ist die Lage noch mal schlechter geworden und es hat den Eindruck, als ob frühere Fortschritte wieder zunichte gemacht wurden.

Die Grafik zeigt ausgewählte Daten zum Verbrauch von Einwegbechern in Deutschland.

Die Zahlen sind schockierend hoch. Stündlich sollen es 320.000 Einwegbecher sein, die in Deutschland verbraucht werden. Die Zahlen lassen sich schlecht selbst prüfen, doch wer in der Stadt lebt und täglich die überquellende Mülleimer sehen kann, dem fallen auch die vielen Einwegbecher auf. Zwar verzichten viele mittlerweile auf den Plastikdeckel, doch da die meisten Becher innen mit einer dünnen Kunststoffschicht überzogen sind, ist das nur ein schwacher Trost. Allein in Berlin sollen es 460.000 Kaffee-Einwegbecher täglich sein, die ihren Weg in einen Abfalleimer finden. Täglich!

Daran wird auch die Ankündigung der Bundesregierung, dass ab dem 3. Juli 2021 der Verkauf verschiedenen Einwegprodukten aus Plastik oder Styropor, wie Besteck oder Geschirr, Trinkhalme, Rührstäbchen sowie Wattestäbchen und Luftballonstäbe, verboten wird, nur wenig ändern. Denn die Kaffeebecher aus Pappe, mit oder ohne Kunststoffüberzug, wird es auch weiter geben.

Ein Haufen Einwegbecher in New York, wo noch mehr aus Wegwerfprodukten konsumiert wird als hier.
Photo by Jasmin Sessler on Unsplash

Tückisch sind besonders die Becher für Heißgetränke, die zwar wie ein Pappbecher aussehen, innen aber mit Kunststoff beschichtet sind. Eigentlich müssten diese Becher in der gelben Tonne landen, damit sie zumindest teilweise recycelt werden, doch stattdessen landen die meisten in einem Abfalleimer und werden dann verbrannt. Schade um die Rohstoffe und die Energie, die nötig war um den Becher für diese kurze Nutzungsdauer herzustellen. Denn für die 2,8 Milliarden Pappbecher, die jährlich in Deutschland verbraucht werden, müssen in der Produktion Fasern von 43.000 Bäumen, etwa 3.000 Tonnen Rohöl und 1,5 Milliarden Liter Wasser verwendet werden. Am Ende entstehen daraus 40.000 Tonnen Abfall pro Jahr.

Wer daran etwas ändern möchte, kann leicht bei sich selbst anfangen. Es ist zwar etwas unbequem, aber wer einen Mehrwegbecher mitnimmt, kann sein Getränk auch gut aus dem eigenen Becher trinken. Den kann man später abwaschen und dann wieder benutzen. So ein Becher steht in vermutlich jedem Haushalt, notfalls würde auch ein Schraubglas funktionieren. Aber die meisten werden sicher einen geeigneten Mehrwegbecher haben, werden diese doch gern als Werbegeschenk verteilt oder in einer Sammeledition verkauft.

Das Bundesumweltministerium schreibt auf seiner Seite, dass ein Mehrwegbecher mehr als zehnmal, besser mehr als 25-mal genutzt werden sollte, um die ökologischen Vorteile auszuspielen. Viele Becher sind aus Kunststoff, manche aus Holz (mit Kunststoff in Form gebracht), andere aus Metall (mit Wärmeisolierung) und seltener gibt es auch welche aus Glas oder Keramik. Es ist in jedem Fall leicht nachzuvollziehen, dass die Herstellung des Mehrwegbechers mehr Energie gekostet hat, als die des Einwegproduktes. Doch werden die Becher dann mehrfach genutzt, kann jeder leicht etwas Gutes tun. Das einzige womit man leben muss, ist den Becher dann wieder abzuspülen und einzupacken, damit er beim nächsten Mal griffbereit ist.

Was bei all dem aber nicht vergessen werden soll, eine gute Möglichkeit ist auch, den Kaffee einfach direkt vor Ort zu trinken. In einer richtigen Tasse, vielleicht mit ein paar Sonnenstrahlen und etwas Gebäck, entsteht so ein toller Moment der Achtsamkeit. Oft wirkt so eine kleine Auszeit viel besser, als das Getränk im Alltagsstress im Laufen hinunterzukippen.

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