Mit gutem Gewissen investieren

Beim Einkauf achten wir auf verschiedene Siegel oder gehen gleich in den gut sortierten Bioladen. Wir suchen auf den Verpackungen im Kleingedruckten und stellen auch mal wieder was zurück, was wir eigentlich nicht unterstützen wollen. Bei Obst und Gemüse achten wir darauf, dass die Sachen nicht ewig weit gereist sind, bevor sie bei uns im Einkaufsbeutel landen. Aber wie ist das eigentlich mit dem Geld, was auf unserem Konto liegt, was in unserer Altersvorsorge investiert ist oder wo wir für die nächste Anschaffung oder einen schönen Urlaub sparen?

Photo by Micheile Henderson on Unsplash

Wenn unser Geld bei der Bank liegt, dann wartet es dort ja nicht im Tresor auf uns. Stattdessen investiert es die Bank in irgendetwas, kauft vielleicht Immobilien, Staatsanleihen, verleiht es weiter in Form von Krediten oder investiert in Unternehmen. Aber selbst wenn wir unser Geld selbst anlegen, weil wir einen Sparplan haben oder es in unserer Altersvorsorge steckt, wird irgendwo mit dem Geld gewirtschaftet. Und genau hier ist der Haken! Die meisten wissen gar nicht, was ihr Geld so macht, wenn es gerade bei einer Bank oder in einem Anlageprodukt auf sie wartet. Auf der einen Seite achten wir sehr darauf, was wir mit unserem Geld kaufen und wen wir so unterstützen. Aber wenn wir unser Geld nicht sehen, interessieren wir uns nicht sonderlich dafür, was Banken und andere Investmenthäuser mit unserem Ersparten so anstellen.

Ein neues Modewort sind „Nachhaltige Investments“, denn natürlich kann jeder auch mit gutem Gewissen sein Geld anlegen. Aber der Begriff „Nachhaltigkeit“ selbst ist nicht eindeutig, jeder kann selbst festlegen, was nachhaltig ist und was nicht.

Schwache vs. Starke Nachhaltigkeit – eigene Darstellung

Beim Thema Nachhaltigkeit kommt es darauf an, die Bereiche Soziales, Wirtschaft und Ökologie in Einklang zu bringen. Die drei Bereiche können als gleichwertig betrachtet werden und in diesem Fall spricht man vom Drei-Säulen-Modell oder der Schwachen Nachhaltigkeit. Oder es gibt eine klare Gewichtung und im Mittelpunkt steht die Ökologie, denn ohne diese ist keine gesunde Gesellschaft möglich und somit auch keine funktionierende Wirtschaft. Dies wird als Vorrangmodell oder als starke Nachhaltigkeit bezeichnet.

Weil wir nun alle die Folgen des Wirtschaftens der letzten Jahrzehnte ausbaden müssen, sollte das Vorrangmodell das relevantere sein und Nachhaltigkeit nur dann als solche bezeichnet werden, wenn der ökologische Einfluss am stärksten bewertet wird.

Während beim Einkauf im Bioladen oder irgendwo im Internet noch gut erkennbar ist, welche Auswirkungen unsere Entscheidungen haben, ist es bei den Geldanlagen viel schwieriger. Weil wir in den meisten Fällen unser Geld nur abbuchen lassen oder irgendwo einzahlen, wissen wir nicht, was weiter damit gemacht wird. Deshalb ist das Thema Nachhaltige Investments auch viel komplexer als es auf den ersten Blick erscheint. Denn einen grundsätzlichen Unterschied zwischen den klassischen Anlageformen und ihren nachhaltigen Alternativen gibt es nicht. Es kommt immer darauf an, in welche Werte investiert wird und welche Strategie dem zugrunde liegt.

Weil die Anlagestrategie ausschlaggebend ist, sind nachhaltige Investments auch keine Spaßverderber im Portfolio. Jeder kann mit gutem Gewissen sein Geld für sich arbeiten lassen. Es gibt gute, nachhaltig investierende Fonds, wo strenge Regeln dafür sorgen, dass nicht nur der Gewinn sondern auch die Auswirkungen der Investments im Mittelpunkt stehen.

Seit einiger Zeit beschäftige ich mich bewusster mit dem Thema. Bei einem früheren Job hatte ich die Gelegenheit, etwas hinter die Kulissen eines Investmentfonds zu blicken und das hat auch dafür gesorgt, dass ich meine bestehenden Anlageprodukte heute etwas mehr hinterfrage. Ich bin schon gut versorgt, habe etwas für meine private Altersvorsorge getan und die Produkte investieren auch über Fonds in Aktien. Doch bisher hat mich nicht groß interessiert, was das für welche sind. Das dieses Thema durchaus unangenehme Wahrheiten beinhalten kann, war mir zwar bewusst, es gibt immer mal Artikel dazu, wie dieser hier, welcher 2011 in der ZEIT erschienen ist. Aber wie viele andere auch, habe ich das Thema verdrängt und war auch nicht fähig hier genauer hinzuschauen, denn in welche Firmen ein Aktienfonds investiert ist nur schwer erkennbar. Die größten Positionen im Portfolio werden vielleicht noch präsentiert, anderes lässt sich auch Jahresberichten herauslesen, doch um so weit zu kommen, müssen einige einige Hürden genommen werden.

Jeder von uns sollte sich genauer damit auseinandersetzen, was das Ersparte ohne einen bei der Bank macht. Denn wie kann ich mit bewussten Kaufentscheidungen im Laden einen Wandel erreichen, wenn ich ihn gleichzeitig mit meinem Geld bei der Bank verhindere?

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