Unterstützung durch Mikrokredite

Bringen Spendenmitgliedschaften mehr als ein Wohlempfinden bei uns? 5 Euro für den Regenwald, den Tiger oder Menschen irgendwo in der Welt? Schafft das tatsächliche Veränderungen oder nur neue Abhängigkeiten? Eine Alternative können Mikrokredite sein.

Photo by Erick Kiarie on Unsplash

Vor mehr als 10 Jahren habe ich einen Artikel in der ZEIT gelesen, der auf der Webseite immer noch abrufbar ist (Bezahlschranke). In diesem Artikel wurde der Frage nachgegangen, was Mikrokredite bringen und verändern können. Der Autor ist mehrere Male seinem Geld nachgereist, um zu sehen, was es regional bewirkt hat. Kurz nach dem Lesen des Artikels habe ich mich selbst bei der im Artikel genannten Plattform Kiva angemeldet und mich in den letzten 10 Jahren an fast 180 Projekten beteiligt. Dieser Beitrag soll sich um meine Erfahrungen und Gedanken zum Thema Mikrokredite drehen. Meiner Ansicht nach, ist es eine befriedigende Art Geld zu spenden und damit auch Gutes zu tun.

Im Vergleich zu vielen anderen Menschen auf der Welt geht es uns in Europa sehr gut. Keine bis wenig bewaffnete Konflikte, keine Vertreibung, recht faire Staaten, die sich um uns kümmern, wenn es uns mal schlecht geht. Niemand wird sich selbst überlassen, es gibt Hilfe, wenn man sie braucht. Auch viele Folgen des Klimawandels werden recht gut an uns vorübergehen. Wir leben auf der Sonnenseite des Lebens und wenn wir mal im Fernsehen mit schlimmen Bildern von anderen Orten der Erde konfrontiert werden, dann finden wir auch leicht Ablenkung. Nur rund um die Feiertage werden wir dann doch stärker mit dem Elend der Welt konfrontiert, wenn die vielen Spendenaufrufe in den Werbepausen kommen oder wir beim Einkaufen von jungen Leuten mit Klemmbrettern auf eine Spendenmitgliedschaft angesprochen werden. Mit ein paar Daten und 5 Euro im Monat lässt sich schnell ein gutes Gefühl kaufen. Ist das Gewissen erst so beruhigt, lässt sich das Elend in der Welt viel leichter verdrängen. Doch helfen diese Spenden – also langfristig – wirklich weiter?

Eines ist sicher klar, im Falle von Naturkatastrophen, Krieg und Vertreibung braucht es die Spendenbereitschaft um etwas Linderung zu verschaffen. Doch für langfristige Perspektiven ist es besser, die Möglichkeit zur Selbsthilfe zu geben, damit Menschen unabhängig von Spenden ihr Leben gestalten können. Für viele Probleme in den Regionen sind wir auch selbst verantwortlich, weil unser Lebensstil es erfordert, dass wir andere für uns arbeiten lassen. Müll und Schrott wird immer noch exportiert, weil er woanders günstiger zu entsorgen ist. Ähnlich ist es mit unserem Konsum an Kleidung und den riesigen Warenströmen an Billigtextilien. Von den ganzen Auswirkungen, die durch unseren Bedarf an fossilen Brennstoffen weltweit entstehen, will ich an dieser Stelle gar nicht schreiben.
Um Menschen dabei zu unterstützen, unabhängiger zu leben, braucht es in erster Linie Geld, um die nötige Anschubfinanzierung zu geben. Doch Geld, was ohne Gegenleistung ausgezahlt wird, sorgt nicht unbedingt dafür, dass es auch zielführend eingesetzt wird. Andererseits ist es vielen Menschen nicht möglich, Geld von Banken geliehen zu bekommen. Viele haben gar kein Konto und Zinsen bei Kreditgebern sind weit von dem entfernt, was wir hier gewohnt sind. Die Kreditgeber selbst müssen auch höhere Gebühren zahlen, um sich das Geld an den Kapitalmärkten zu besorgen.

An dieser Stelle kommen Plattformen wie Kiva ins Spiel.

Dabei kann jeder leicht etwas tun, indem man ein Darlehensgeber (Lender) wird und bestimmt, welche Personen oder Projekte gefördert werden sollen. Über Organisationen wie Kiva gibt man Partnern vor Ort (Field Partner) Geld und wählt auch die Kreditempfänger (Entrepreneurs). Die Darlehensgeber stellen Kiva ihr Guthaben zinsfrei zur Verfügung und Kiva selbst berechnet ihren Partnerorganisationen ebenfalls keine Zinsen. Das lokale Mikrofinanz-Institut vor Ort berechnet dem Darlehensnehmer jedoch Zinsen, um seine eigenen Kosten zu decken und geht unter Umständen auch mit dem Kredit in Vorkasse, bis auf Kiva die benötigte Summe zusammengekommen ist.

Über Kiva werden können die Field Partner also Kredite günstiger vergeben, mit etwas geringeren Zinsen für den Kreditempfänger, weil sie sich das Geld günstiger am Kapitalmarkt besorgen können. Es funktioniert dann so, dass Menschen, die einen Kredit für etwas brauchen, sich mit einem Profil und ihrem Anliegen vorstellen. Auf Kiva wird das benötigte Geld mittels einem Crowdfunding eingesammelt und dann über den Field Partner an den Kreditnehmer ausgezahlt. Der Kredit wird dann über mehrere Monate zurückgezahlt und die Darlehensgeber bekommen in den meisten Fällen ihr Geld wieder zurück, können es sich auszahlen lassen oder in neue Projekte investieren.

Die Kredite sind zwischen einigen Hundert bis manchmal einigen Tausend Dollar groß und die Mindestsumme, um sich zu beteiligen, liegt bei 25 Dollar. Die Zwecke der Kredite können dabei sehr unterschiedlich sein. Ich habe Projekte unterstützt wo es um Solarlampen ging, den Bau von Toiletten, Einkauf von Farmgerätschaften, Finanzierung von Schulkrediten oder Auf- und Ausbau von Geschäftsideen.

Mein Kiva-Portfolio – Stand Mai 2020

Ich habe für mich entschieden, dass ich keine Projekte unterstütze, die sich nicht von selbst tragen. Es gibt viele Wünsche nach Darlehen, um Vorräte für ein Geschäft zu kaufen bzw. Rohstoffe um die Produktion auszubauen. Was ich auch nicht gern unterstütze ist der Kauf von Tieren oder speziellen Saatgutarten. Mir ist zwar bewusst, dass jemand der sich ein Dutzend Hühner kauft auch ein Geschäft damit aufbaut, doch ähnlich wie mit den Rohstoffen oder Vorräten habe ich den Eindruck, dass sich das nicht langfristig trägt. Ich möchte nicht immer wieder für die gleiche Sache Geld investieren, weil es sich dann wie eine Spende anfühlt und ich den Eindruck habe, dass das Geschäft nur durch immer neue Geldspritzen funktioniert. Vielleicht liege ich auch falsch damit, doch ich unterstütze lieber Projekte, wo ich den Sinn besser sehen kann.

Wie an den folgenden Grafiken zu sehen ist, unterstütze ich überwiegend Projekte, die von Frauen geleitet werden. Ob Frauen besser mit Geld umgehen können, die zuverlässigeren Kreditempfängerinnen sind oder aus anderen Gründen vorgeschickt werden, kann ich nicht beurteilen. Vielleicht wirtschaften sie einfach besser, weil sie auch ihre jeweiligen Haushalte und die Kindererziehung managen müssen. Bei den Kategorien unterstütze ich vieles was mir sinnvoll erscheint. Ich mag Projekte, die die Lebensumstände verbessern, wie Solarlampen um auch nach Einbruch der Dunkelheit was machen zu können. Auch den Bau von Toiletten oder Ausbau von Häusern unterstütze ich gern. Super sind Projekte, wo in schwierigen Regionen Möglichkeiten geschaffen werden um eigene Geschäfte aufzubauen, beispielsweise durch den Kauf von Nähmaschinen. Manchmal gibt es auch Kredite um Schulgebühren, Unterrichtsmaterialen oder ähnliches zu finanzieren. Aus meiner Sicht sorgt das alles dafür, um langfristig die Lebensumstände zu verbessern.

Weil Kiva eine Non-Profit-Organisation ist, die selbst auch auf Spenden angewiesen ist, wird bei jedem Kredit um eine Beteiligung an den Kosten der Plattform geworben. Man kann bei jeder Beteiligung etwas spenden oder auch angeben, dass das Geld, was dann vom Kreditnehmer zurückgezahlt wird, vollständig an Kiva gezahlt wird. Ab und zu gibt es auch Aktionen wo ein großer Geldgeber bestimmte Kredite unterstützt, indem Beteiligungen an diesen Projekten mit dem Mindestbetrag von 25 Dollar erhöht werden.
Das ist eine gute Sache um neue Mitglieder auf die Plattform zu holen. Doch auch ohne diese Aktionen kann ich die Plattform jedem empfehlen, der mit einem bewussteren Gefühl Geld spenden möchte um damit etwas in der Welt zu bewirken.

Ich habe mir bisher kein Geld wieder ausgezahlt. Aktuell nutze ich auch keinen monatlichen Sparplan sondern warte bis etwas Geld wieder zurückgezahlt wurde und suche mir dann neue Projekte. Wenn ich dann diese unterstütze erhöhe ich mein Investment und zahle so zusätzlich etwas mit ein.
Aktuell habe ich 120 Dollar zur Verfügung und habe in der Kategorie „Eco friendly“ ein Projekt gefunden, wo für 575 Dollar einem Mitglied der Gruppe ein spezieller Solar-Ofen gekauft wird. Dem Projekt fehlten noch 200 Dollar, die ich jetzt hinzugefügt habe, zusätzlich 30 Dollar für Kiva als Spende. Laut Plan sollen im Juni gut 80 Dollar zurückgezahlt werden, die ich dann wieder in neue Projekte schieben werde.

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